Mr. Veltliner strikes again

Auf höchster Lösslage in Niederösterreich keltert Bernhard Ott biodynamischen Wein. Ein Verkostungsbesuch zur Premiere des Grünen Veltliner Ried Feuersbrunner Kirchthal, Edition JRE 2017

Bernhard Ott in Feuersbrunn/Wagram: In unserem Nachbarland ist er längst ein fester Begriff, sowohl in der kulinarischen, als auch in der Weinszene. Für unsere deutschen Leser sind die Weinschwenker eigens ins Wagram vor den Toren Wiens gereist, um sich dort selbst ein Bild von den Anbau- und den Produktionsmethoden des Ausnahmewinzers zu machen.

Ausblick von Ried Kirchberg, der höchsten Lage im Wagram ins Donaubecken

Angeblich soll er ja den besten Grünen Veltliner Österreichs produzieren, noch eine gute Nasenlänge vor den Granden aus der Wachau. Dies bezeugen zahlreiche Preise, die er gewonnen hat, aber auch in Fachkreisen wie Spitzengastronomie und unter Weinliebhabern wird er in höchstem Maße geschätzt. Auch soll er bei einigen Weinen mit Amphoren arbeiten, die in der Erde vergraben werden und in denen die Trauben über 12 Monate sich selbst überlassen werden, sozusagen eine Rückbesinnung auf die Wurzeln des Weinbaus. Biodynamisch soll er produzieren, haben die Weinschwenker vorab schon in Erfahrung gebracht. Und nicht zuletzt sagt man ihm nach, dass er wie kaum ein anderer ein Gespür für Terroir hat und es schafft, dies auch in die Flasche zu transportieren.

v.l.n.r. Thomas Dorfer, Präsident der Jeunes Restaurateurs Österreich, „Mr.Veltliner“ Bernhard Ott, Andreas Döllerer, 3-Hauben Koch und Mitglied bei JRE

Dass dann auch noch so namhafte Vertreter aus Österreichs Gourmet-Szene wie Andreas Döllerer, Thomas Dorfer uvm. sich zu einem Grillfest auf dem Weingut Ott trafen, dass Meisterbrenner und inoffizieller Grillweltmeister Hans Reisetbauer sich die Grillschürze umschnürte, all das hat die Weinschwenker neugierig genug gemacht, um von München aus einen Abstecher nach Niederösterreich zu machen, um sich von „Mr.Veltliner“ und seinen Weinen sowie von den Sterneköchen der JRE einen persönlichen Eindruck zu verschaffen.

Um es vorweg zu nehmen: Natürlich sind die Weinschwenker nicht enttäuscht worden. Qualität und nochmals Qualität, vom Weingarten bis zum Keller, vom Boss bis zum Personal, vom Fass bis zur Flasche.

Bernhard Ott erklärt die Biodynamik in seinem Weingarten

Aber schön der Reihe nach: Ott nahm seine Gäste mit in den nahe gelegenen Weingarten – zur Top-Lage Ried Kirchthal, wo er über Terroir und biodynamischen Anbau, über das Wagram selbst mit seinen Löss-Böden, über deren Entstehung in der letzten Eiszeit und tief verwurzelte Reben sprach. Selbst für Weinexperten gab es da noch das eine oder andere dazu zu lernen. Er referierte ausführlich darüber, wie wichtig es ist, zwischen den Rebreihen ein gesundes Bodenklima zu schaffen. Er persönlich macht das, indem er spezielle Blumen und Kräuter dazwischen pflanzt. Zur Demonstration nimmt er behutsam einen Klumpen Erde hoch um den interessierten Zuhörern zu zeigen, welches Leben unter der Oberfläche herrscht. Diese oberste Schicht schützt bei Regengüssen vor Erosion und bei extremen Hitzeperioden speichert sie Feuchtigkeit. Damit ist sie in jedem Fall ein Gewinn für den Weingarten. Dass dies im Gegensatz zu „fast toten“ Böden in konventionellen Weingärten ein Mehraufwand an Handarbeit ist, die sich am Ende auch auf den Flaschenpreis auswirkt, verschweigt er auch nicht. Er fesselt die Zuhörer im Weinberg noch eine Weile mit den Besonderheiten des Wagram, die klimatischen Einflüsse des warmen Donaubeckens, das die thermischen Winde die Hänge des Wagram hinaufschickt und des nahen Waldviertels, dessen kühlenden Winde nachts die Reben streifen, um uns dann wieder mit zu nehmen ins Weingut, wo wir uns vom Endprodukt aus genau der eben besuchten Lage überzeugen können: Der Lage Ried Kirchthal, die vor einigen Jahren neu bepflanzt worden war und aus der 2017 zum erstem mal Wein gekeltert wurde. Dieser Wein, natürlich ein Grüner Veltliner, wird speziell für die JRE Österreich (Jeune Restaurateurs d’Europe) produziert, einer europäischen Vereinigung von Spitzenköchen, die sich dem kulinarischen Erbe Europas verpflichtet fühlt und zahlreiche Sterneköche in ihren Reihen hat. Mehr darüber lesen Sie hier.

Spezielle Wildkräuter-Bepflanzung in der Lage Ried Kirchthal mit Ausblick auf das Donaubecken

Doch nun zur lange ersehnten Verkostung: Zu essen gab es perfekt auf den Punkt gegrilltes Wagyu Rind, das auf der Zunge zerging, dazu Ofenkartoffeln und Krautsalat. Der Ried Kirchthal Veltliner passte trotz seiner Jugend hervorragend dazu. Ein strahlendes Strohgelb schwenken wir im Glas und die erste Nase betört schon mit Fruchtaromen von gelbem Apfel und etwas Quitte. Deutliche Nuss-Aromen gesellen sich mit einem Kräuter-Potpourri und einer guten Prise weißem Pfeffer dazu. Sowohl die Würze als auch die Fruchtnoten führen sich am Gaumen fort, wo sie von einer frischen Säure und einer dezenten Salzigkeit aufgefangen werden. Das nennen die Weinschwenker Spannung und Harmonie zugleich. Wir sinnieren bei der Verkostung, wie der Wein sich in zwei bis drei Jahren entwickelt und zeichnen ein ziemlich optimistisches Szenario.

„Mr.Brennerei“ und inoffizieller Grillweltmeister Hans Reisetbauer hat auf den Punkt gegrillt. Darf’s a Stückerl mehr sein?

Zum Nachtisch gab es dann noch einen Rosenmarillen-Brand von Hans Reisetbauer, einem alten Freund und Weggefährten von Bernhard Ott, dessen feines Destillat sich fruchtig komplex als perfekter Abschluss präsentierte.

Woher der Name „Mr.Veltliner“?

Nach dem Essen durften wir das gesamte Spektrum der Ott’schen Weinproduktion verkosten und verstanden so langsam den Namen „Mr.Veltliner“ oder „King of Veltliner“ wie ihn manche auch nennen. In den Augen der Weinschwenker sind diese Superlative nicht unbedingt darauf zurückzuführen, dass er zu über 90% Grünen Veltliner produziert. Ebensowenig verdient er sie sich mit einem einzigen besonders gelungenen Wein. Nein, es ist eher das Gesamtwerk mit seiner Vielfalt an Veltliner. Er holt wie eingangs angedeutet aus jedem Terroir und aus jeder Lage das Typische heraus und bringt es in die Flasche. Zumindest ist es Weinbau auf allerhöchstem Niveau, alles mit Handlese und fast alles aus biodynamischem Anbau.

Der Grüne Veltliner wird wegen der weißwolligen Triebspitze auch Weißgipfler gennannt.

 

Sternekoch Thomas Dorfer ist ein aufmerksamer Zuhörer, wenn Bernhard Ott über seinen Veltliner spricht

 

So sieht lebendiger Boden aus. Die oberste Schicht des Löss-Bodens.

 

Ein spezieller Grüner Veltliner wird bei Bernhard Ott tatsächlich in 250 Liter Amphoren ausgebaut, die im Boden eingegraben sind. Die Trauben warden 12 Monate lang sich selbst überlassen.

Gut zu wissen Weingut Bernhard Ott

Das Weingut wird seit vier Generationen von der Familie Ott bewirtschaftet. Ignaz Ott pflanzte
1889 die ersten Rebstöcke in Feuersbrunn im niederösterreichischen Weinbaugebiet Wagram. Seit 1993 übernahmen Maria und Bernhard Ott das Weingut samt 3 ha Marillengärten. Vor allem Grüner Veltliner, aber auch Sauvignon Blanc und Riesling werden auf rund 30 ha Rebfläche in den besten Feuersbrunner Lagen angebaut. Nachhaltigkeit und eine tiefe Verbundenheit zum Terroir sind der Winzerfamilie ein großes Anliegen. Seit 2006 bewirtschaftet Bernhard Ott den Betrieb konsequent biodynamisch.

Adresse:
Neufang 36
A-3483 Feuersbrunn am Wagram
Österreich
Tel. +43 2738 22 57
Mehr Infos zu Veranstaltungen und Verkostungen finden Sie auf der Winzerwebseite

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