Reifeprüfung auf spanisch: von Crianza bis Gran Reserva

In der Liebe spielt (angeblich) das Alter keine Rolle; es sei denn, man ist eine Flasche Wein. Das gilt auch besonders für spanische Weine. Winzer können den Wein entweder in der Flasche oder kunstvoll im Fass altern lassen. Dabei spielt Barrica, das Eichenfass, eine sehr wichtige Rolle. Häufig liest man in Spanien die Bezeichnung BfB, das ist die Abkürzung für „Blanco fermentado en barrica“ und bedeutet, dass der Most für diesen Wein in Barriquefässern, in Barricas vergoren wurde. Mancher Wein bleibt nur kurz im Fass, während andere mehrere Jahre dort reifen dürfen.
Je nach Reifegrad unterscheidet man:

Joven, Cosechero und Vino de mesa
Vino joven ist auf spanisch „der Jungwein“. Manchmal gibt es dafür auch Bezeichnung Cosechero, was so viel wie „von der letzten Ernte“ heißt oder Jahreswein bedeutet, vino de año. Die Weine kommen selten und wenn, dann nur kurz mit einem Eichenfass in Berührung. Es sind einfache Tropfen, die sehr jung getrunken werden. Länger als ein Jahr sollte man damit nicht warten. In Restaurant wird häufig der Vino de mesa eingeschenktder Tischwein. Er ist von einfachster Weinqualität – und billig: man findet  Vino de mesa sich in den Supermarktregalen Spaniens.

Roble und Semicrianza
Weine mit dieser (inoffiziellen) Bezeichnung wurden für kurze Zeit (drei bis sechs Monate) in Eichenfässern  ausgebaut („roble“ heißt auf spanisch „Eiche“). Diese Weine haben ein meist günstiges Preis-Genuss-Verhältnis.

Crianza
Weine mit dieser Bezeichnung haben ein Mindestalter von zwei Jahren. Anschließend reift der Wein eine zeitlang im Eichenfass. Crianza geht auf das spanische Wort „criar“ zurück, was „reifen“ oder „großziehen“ bedeutet. Die Dauer des Barriqueausbaus ist unterschiedlich und hängt in Spanien von der jeweiligen Regel der Herkunftsbezeichnung (D.O.) ab. Am längsten mit mindestens einem Jahr reifen Rioja-Weine, am kürzesten mit gerade mal sechs Monaten liegt Toro im Fass. Am besten schmecken diese Weine, wenn man Geduld hat – und sie für vier oder fünf Jahre lagert und erst dann öffnet.

Reserva
Weine von gehobener Qualität, die mindestens ein Jahr im Eichenholzfass und insgesamt  mindestens drei Jahre in Fass und Flasche gereift sind. Ein Reserva kommt also erst im vierten Jahr nach der Ernte in den Handel. Für diese Weine, die häufig aus den Regionen Rioja und der Ribera del Duero kommen, werden nur hochwertige Trauben verwendet. Der Wein kann 10 Jahre oder länger im Weinkeller ruhen.

Gran Reserva
Als Gran Reserva (spanisch für „Große, wichtige Reserve“) kann sich ein Wein bezeichnen, der mindestens zwei Jahre im Eichenfass und anschließend drei Jahre in der Flasche gereift ist. In den Handel kommen diese Weine frühestens fünf Jahre nach der Ernte. Sie schmecken am besten, je später man die Flasche öffnet. Gran Reserva Weine können bis zu 40 Jahre oder sogar länger aufbewahrt werden. Fast wie ein kostbares Erbstück!

Wie spanische Weine klassifiziert werden
– Die Bezeichnung Denominación de Origen (D.O.) gibt es in Spanien seit dem Jahr 1925. Die ersten, die die Herkunft und Identität ihrer Weine schützen ließen, waren die Trauben- und Weinerzeuger in der Rioja: aus „Sorge vor Fälschern“. Heute zählt man in Spanien 60 D.O.s, die die Standards der Consejos Reguladores einer Region erfüllen.
Denominación de Origen Calificada (DOCa) wird für Weine verwendet, die für diese Stufe von einem nationalen Ausschuss qualifiziert wurden. Bislang sind es nur zwei Regionen: Rioja und Priorat, die den Status Calificada erhielten. Die katalanische Herkunftsbezeichnung nennt sich Denominació d’Origen Qualificada (DOQ).
Vino de Pago (VP) ist die höchste Klassifizierung nach spanischem Weinrecht. Sie wurde 2003 von den Cortes Generales, dem spanischen Parlament, beschlossen, um die Qualitätsbemühungen des spanischen Weinbaus zu verbessern. Die Qualitätsanforderungen entsprechen mindestens denen der DOCa.-Weine.

Gut zu wissen Wein-Weltrekord der Eichenfässer

Die Rioja-Weine reifen in 225-Liter-Eichenfässern und werden in regelmäßigen Abständen in Flaschen abgefüllt, um dort die Reifung zu vollenden. Die Mindestreifezeit liegt je nach Kategorie (Crianza, Reserva oder Gran Reservas) zwischen einem und drei Jahren im Fass  sowie zwischen sechs Monaten und sechs Jahren in der Flasche.
1,3 Millionen Fässer gibt es nach offiziellen Zählungen – damit verfügt die Weinregion Rioja über die weltweit größte Anzahl an Fässern.

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