Im Höhenrausch. Eine sensorische Expedition auf den Geschmacksgipfel des Genuss-Events „Wein am Berg“ in Sölden

Was für eine verrückte Idee! Wein verkosten auf über 3000 Metern Höhe. Mitten im Tiefschnee am Gletscher. Vor siebzehn Jahren mag man Angelika Falkner noch belächelt haben, als sie für die Gäste des Fünfsternehotels ‚Das Central‘ die ersten Höhendegustationen im Rahmen von „Wein am Berg“ ausprobierte. Mittlerweile ist das Gourmetfestival im österreichischen Sölden der alljährliche Höhepunkt für Weinliebhaber aus aller Welt. Und, wer einmal dabei war, kann nicht anders, als die einzigartige Veranstaltung mit Superlativen und verschwenderischen Adjektiven zu beschreiben: Schöner kann man kulinarische Hochgenüsse und die Berge nicht miteinander verbinden. Wer vom Hotel ‚Das Central‘ mit der Gondel zur Höhendegustation auf einen der vielen Gipfel fährt, wird mit einer der wohl schönsten Rundumsichten der Zentralalpen belohnt: der Blick schweift frei über mehr als zweihundert Dreitausender. Oben im Schnee erwartet den Gast eine Auswahl der besten Weine Österreichs, wie von Zauberhand in die luftige Höhe transportiert. Die Flaschen stecken im Schnee, die Gläser stehen elegant in Reihe auf einer Eisbar. Und, wie schmeckt Wein in Gipfelnähe? Auf jeden Fall anders als im Tal. „Die Aromen springen plötzlich aus dem Glas!“, hat ein Weinkritiker vor Jahren in einem Anflug von Höhenrausch gesagt. Tatsächlich reagieren unsere Sinne hier oben anders – und auch der Wein.

Wein am Berg überrascht jedes Jahr wieder mit Höhendegustationen

Höchster Genuss: Das Verkosten am Gletscher ist einer der vielen Höhepunkte von „Wein am Berg“ 2018

Die Höhe bringt die Aromen mehr zur Geltung. Bei einigen Weinen sogar um ein Vielfaches. Doch nicht jeder Tropfen ist höhentauglich: blasser Wein wird auch über den Wolken nicht besser. Besonders gut entfalten sich die fruchtig-frischen Noten bei Weißweinen, etwa einem guten Riesling mit hoher Fruchtdichte oder einem kräftigen Chardonnay. Auch unsere Geschmacksnerven spielen am Berg verrückt und verlangen nach intensiven Reizen. Säure und Tannine treten stärker hervor, der ungewohnte Luftdruck verändert das Geschmacksempfinden. Das Phänomen haben Aroma-Wissenschaftler in Flugzeugen untersucht. In der Kabine herrscht ein Luftdruck, der auf der Erde in einer Höhe von 2000 bis 2500 Metern über Meer herrscht. Geschmacksmindernd wirkt sich die niedrige Luftfeuchtigkeit aus. Nase und Gaumen können die subtilen Noten weniger wahrnehmen. Deswegen gehören Tomatensaft mit Salz und Pfeffer und fruchtige Rot- und Weißweine zu den beliebtesten Getränken.
Doch, wenn es stimmt, dass Sensorik auch etwas mit der Seele zu tun hat, wie ist das vor der atemberaubenden Kulisse der Gletscher, wo nicht nur die Luftfeuchtigkeit ideal ist, sondern auch Geschmacksknospen zur Höchstform aufblühen?
Was wirklich auf dem Berg passiert, ist noch gänzlich unerforscht. Höchste Zeit für eine sensorische Expedition auf den Geschmacksgipfel.

Die Versuchsanordnung für drei Tage: internationale Gäste, Sterne & Haubenköche und bester Wein

Der Weinberg ruft: Tag 1: Die Forschungsreise beginnt am ersten Abend im Tal mit dem traditionellen Auftakt von Wein am Berg in der Hotelhalle. Das Motto in diesem Jahr lautet: „Österreich trifft Großbritannien”. Beste österreichische Winzer lassen die Gäste ihre 2017er Weine verkosten. Darunter Größen wie die Weingüter Paul Achs, Gesellmann, Kerschbaum, Umathum, Igler und Wieninger. Zum österreichischen Abend, „Tirol meets Vienna“ werden dazu Amouse Bouche gereicht. Hervorragend die Ötztaler Bratforelle mit Breatlcreme. Erste Verkostungsnotiz: Zum Krapfblattl mit Kraut und Blunzen aus Tirol passt perfekt der Welschriesling vom Weingut Rittsteuer. Die nuancenreiche Fruchtintensität mit reifen Äpfeln & Pfirsichnoten verband sich wunderbar mit der Würzigkeit der Blunzen (Blutwurst). Die harmonische Säurestruktur des Weines harmoniert mit der leichten Säure des Krauts.
Überraschend lecker mundet eine gebackene Gugumuck Schnecke mit Wiener Erdäpfel-Salat. Das dazu gereichte Glas mit einem 2017er Chardonnay vom Weingut Feiler-Artinger überzeugt sofort. Verkostungsnotiz: Die leichte Süße der Panade und die säuerliche Cremigkeit des Kartoffelsalats korrespondieren mit dem fruchtbetonten Weißwein, der mit viel Würze und mineralischen Aromen glänzt. Es folgt ein Wiener Tafelspitz mit Wurzelgemüse, da macht den Wiener Sterneköchen keiner was vor. Schnell noch einen konfierten Zander mit Austernpilzen – und das ist erst der Auftakt.
Das 5-Gänge-Menü samt Weinbegleitung wartet bereits nebenan im Hotelrestaurant. Mehr als 220 Gäste nehmen Platz und werden von einer Herrschaft an Personal bedient, schnell, lautlos und wirklich professionell.
Das Menü des Abends startet mit einem Kaninchen-Filet mit knuspriger Haserlpraline und Spargel von Küchenchef Gottfried Prantl (‚Das Central‘). Verkostungsnotiz: Die dazu gereichten Cuvées „Gustav“ (Chardonnay & Neuburger), ein 2016er von Feiler-Artinger sowie der 2015er „Am See“ (Chardonnay & Weißburgunder) von Rittsteuer passen mit ihrer Dichte, Fülle, gelben Fruchtaromen und der harmonischen Säurestruktur wunderbar zum Spargel und machen das Geschmackserlebnis mit der Haserlpraline und den nussigen Aromen des Kaninchens rund.
Den anschließend folgenden Huchen mit Kohlrabi, Dottercreme und Hühnerhaut zaubert Sternekoch Roland Huber (Restaurant Le Ciel, Wien). Dazu einen 2015er Chardonnay Ried Goldberg von Hans Igler und ein 2016er Chardonnay Select vom Weingut Wieninger. Verkostungsnotiz: Ein Chardonnay hat meist eine cremige Struktur, wenig Säure, tief Fruchtaromen & großes Gaumenpotential. Bei einem gelungenen Food Pairing sollten sich also genau diese Komponenten wiederfinden. Wie beim servierten gedünsteten Kohlrabi mit seiner Geschmeidigkeit und der Konsistenz einer Dottercreme, kontrastiert von der Knusprigkeit der Hühnerhaut. Getoppt wird das Ganze von der feinen Mineralität des Huchen. So soll es sein!
Ein relativ deftiges Gericht mit vielen Geschmacks & Würzaromen am Gaumen kreiert der Haubenkoch Stefan Speiser (Restaurant Apron, Wien). Das Mangalitzabackerl vom ungarischen Wollschwein mit Szegediner Krautravioli, Grammeln und geräuchertem Sauerrahm verlangt eine Vielschichtigkeit im Weinglas. Die Weinschwenker vergleichen dazu den 2016er Pinot Noir von Paul Achs und einen 2013er Pinot Noir vom Umathum – beide Winzer sind aus dem Burgenland. Verkostungsnotiz: Überzeugender kann man Essen und Wein nicht kombinieren. Der rote 2013er besticht mit süßlicher Beerenfrucht, feinen Vanillenoten am Gaumen und ist cremig, samtig und vollmundig. Hätte man nur einen Pinot Noir zum Wollschwein gereicht, so hätte uns der Rote 2015er von Paul Achs alleine schon begeistert. Aromen von Dörrfeigen, rotes Kirschkonfekt und insgesamt eine saftige rotbeerige Frucht verbanden sich aufs Schönste mit der zarten Würze der Krautravioli des Sauerrahms und des Mangalitzabackerl und den feinen Gerbstoffen des Pinot Noir. Geht es noch besser? Ja, der Rote von Umathun begeistert die Weinschwenker.
Zum Schluss darf nochmals Roland Huber seinen golden Löffel schwingen und beglückt alle Anwesenden mit einem butterweichen Rehrücken mit einem Kaffeejus, Kochsalat & kleinen Auberginen. Sowohl die 2011 Cuvée Impresario von Kerschbaum, als auch der 2007 Bela Rex von Gesellmann treffen sich dazu zum perfekten Stelldichein. Verkostungsnotiz: Passend zum Rehfleisch mit dem charakteristischen Eigengeschmack, dem Jus und den würzigen Beilagen sind die Weine im Glas. Mit Aromen von Brombeeren & Cassis, sowie mit rauchigen Nuancen, zarter Vanille und angenehmen Gewürzanklängen. Die Cuveé aus Cabernet Sauvignon und Merlot des 2007er „Bela Rex“ von Gesellmann erfüllt genau dieses Bedürfnis. Ähnlich fantastisch verhält es sich auch mit der Cuveé 2011 aus Cabernet Sauvignon, Merlot, Zweigelt und Blaufränkisch von Kirschbaum. Auch hier begeistern uns dunkle Beerenfrüchte, reife Herzkirschen, süße Aromen im Bukett & runde Tannine. Insgesamt eine wunderschöne Vermählung von Wein & Speise!
Fast geschafft.
Man braucht tatsächlich ein wenig Kondition, um einen solchen 5-Gänge-Marathon im Sitzen zu bewältigen. Den krönenden Abschluss, was das Menü anging, zaubert der Chefpatissier Raffaele de Luca (‚Das Central‘) mit seinem „Apfel vor dem Strudel“, begleitet von einer 2015er Ruster Ausbruch Pinot Cuvée von Feiler-Artinger. Das grün glasierte Apfel-Kunstwerk entpuppt sich beim Probieren als fluffiges Zitronensoufflé mit angenehm säuerlicher und zarter Schmelzigkeit. Verkostungsnotiz: Die Süße des 2015er Ruster Ausbruch wirkt dazu etwas irritierend. Zu sehr unterscheiden sich Säure & Süße des Strudels von der Süße des Dessertweins.
Bevor es zum Charity Roulette Abend in die Hotelbar geht, erliegen die Weinschwenker natürlich der Versuchung von Käse. Da, wo der Abend mit Aperitif und Amouse Bouche anfgefangen hat, wartet nun edle Türmchen aus feinsten Ziegen- und Schafskäse, sowie Weichkäse und andere Käsespezialitäten der Firma Degust, Tirol Milch und der Heumilch Sennerei Mayrhofen.

Gipfel des Geschmacks: Tag 2 mit Schaumweinverkostung am Gletscher und ein Besuch im höchsten Weinkeller der Welt
Wie schmeckt eigentlich Sekt auf über 3000m Höhe? Und wie verändert sich der Geschmack, wenn man die gleichen Schaumweine 500 Meter tiefer verkostet. Am späten Vormittag stehen zwei Höhendegustation auf dem Programm, die dieser Frage nachgehen werden. Zunächst probieren die Weinschwenker drei Schaumweine direkt am Tiefenbach Gletscher, auf 3250 m Höhe – elegant präsentiert auf einer eigens gebauten Eis-Theke. Den Anfang macht ein Praeclarus von der Südtiroler Kellerei St.Pauls, ein reinsortiger Chardonnay, der 48 Monate auf der Feinhefe reifen durfte. Danach folgt das Weingut Bründlmayer mit einer Cuvée aus Blauburgunder, Chardonnay, Grauburgunder und Weißburgunder. Der Grundwein, der in verschiedenen Holfässern für 4 Jahre gelagert wurde, bleibt bei der zweiten Gärung für mindestens 18 Monate auf der Feinhefe. Die Flaschen werden von Hand gerüttelt, das Ergebnis eine prickelnd-aromatische Sensation und das bei Vol.11,5 %. Ein Roséschaumwein von Wieninger aus Wien schließt das Verkostungstrio ab: Eine Cuvée, hauptsächlich aus Pinot Noir und ein wenig Zweigelt, Jahrgang 2013. Kurzes Zwischenfazit: Es fällt auf, dass die Perlage bei allen drei Schaumweinen viel weniger perlt als im Tal. Geschmacklich kann nur ein Tropfen glänzen: Der Bründelmayer Brut überzeugt auf über 3000m Höhe mit fruchtigen Aromen und einer eleganten Säure. Das freut den anwesenden Master of Wine Andreas Wickhoff, der seit 2016 der Geschäftsführer des Weinguts Bründelmayer ist und hier oben professionell den edlen Tropfen kredenzt.
Spannend ist, wie sich unsere Beurteilung nur eine Stunde später ändert. 500 Meter tiefer werden die gleichen Schaumweine verkostet. Die Nase vorn hat diesmal der Praeclarus aus der Südtiroler Kellerei St.Pauls. Kellermeister und Önologe Wolfgang Tratter schenkt persönlich aus. Verkostungsnotiz Der strohgelbe Schaumwein hat eine sehr feine Perlage, die auch nach dem Einschenken im Glas bleibt. Er besitzt ein dichtes, saftiges, sehr fruchtiges Aroma, ein sehr eleganter Spumante, der fast zu allen Speisen passt.

Yvonne Cornelius, Andreas Wickhoff und Wolfgang Tratter bei der Höhendegustation am Gletscher in Sölden

Supernasen: Kellermeister Wolfgang Tratter (l.) vom Weingut St.Pauls, Sommelière und Weinschwenker Yvonne Cornelius und Master of Wine Andreas Wickhoff bei der Höhendegustation am Tiefenbach Gletscher

Am frühen Abend geht es mit der Gondel aufwärts, zum wohl am höchsten gelegenen Weinkeller der Welt. Im Bauch des auf 3.048 Metern Höhe schwebenden gläsernen Restaurants ice Q am Gaisachkogl reift der Gletscherwein Pino 3000. Vor der atemberaubenden Kulisse wurde nicht nur der James Bond Thriller Spectre gedreht. Auch die Geschichte hinter dem Wein ist filmreif. Vor ein paar Jahren hat Angelika Falkner die verwegene Idee für ein Weinexperiments. „Immer wieder haben mir Winzer und Sommeliers bestätigt, dass hier auf über 3.000 Metern Seehöhe der Wein schlichtweg besser schmeckt“, sagt die Chefin des 5-Sterne-Hotels ‚Das Central‘. Was wäre, wenn man einen Wein komponiert, der speziell auf die Bedingungen der Ötztaler Alpen abgestimmt ist. Weil man vom Gipfel des Gaisachkogels auf drei Länder sehen kann, wünschte sie sich genau so eine Rotwein-Cuvée. Zusammen mit dem österreichischen Weingut Paul Achs, der Südtiroler Kellerei St. Pauls und dem deutschen Weingut Dr. Heger wird so 2011 der Grundstein für den PINO 3000 gelegt. Der weltweit erste Gletscherwein ist ein Pinot Noir, der im Holzfass auf 3.048 Metern ausgebaut wird. Die Produktion ist ebenso ungewöhnlich wie aufwendig: Die Barrique-Fässer mit deutschem Spätburgunder, österreichischem Blauburgunder und dem italienischen Pinot Nero werden nach Sölden geliefert und mit der Schneeraupe auf den Gipfel zum höchsten Weinkeller der Welt transportiert. Hier werden die drei Weine für den PINO 3000 von Kellermeister Wolfgang Tratter vermählt. Der erfahrene Önologe kennt das Geheimnis des Alpenweins: Weil sich der Reifeprozess auf dem Berg verlangsamt, wird der Wein weicher und geschmeidiger. Nach vollendeter Reife im kleinen Holzfass wird dieses Unikat dann in Flaschen gefüllt. „Dieser Gletscherwein erfährt durch diesen einzigartigen Prozess seinen exklusiven Charakter“, sagt Tratter.

Gletscherwein: der Pinot 3000 reift im Holzfass im höchsten Weinkeller der Welt am Gaisachkogl

Die Degustation beginnt in Anwesenheit der drei Winzer mit der Verkostung des Jahrgangs 2011 (die Geburtsstunde des PINO 3000), gefolgt vom Jahrgang 2015. Verkostungsnotiz: Unglaublich fruchtig, wild und doch von feiner Würze, die alle Aromen am Gaumen anspricht. Der 2011er beglückt!
Der rote Gletscherwein wird von erlesenen Vorspeisen begleitet. Der britische Sternekoch Jason Atherton (Pollen Street Social, London) mit Unterstützung von Patrick Schnedl (Küchenchef des ice Q) servieren geschmorten Spitzkohl mit Sardellen und reifen Parmesan, Sushirolle von Garnelen und Rind im Wasabimantel, gegrillte Karotten mit gebrannten Auberginen mit Miso und Walnusspesto, um nur einige Gaumenschmeichler zu erwähnen.
Passend zum 007-Ambiente des ice Q und der nebenan bald eröffnenden James Bond Erlebniswelt ELEMENTS wird bei untergehender Sonne im Glitzer des Gletscherschnees auch NYETIMBER ins Glas gegossen. Der englische Schaumwein aus West-Sussex ist eine Sensation. Als erster britischer Sparkling Wine schnitt er 2016 bei einer Blindverkostung – vor renommierten Pariser Champagner-Experten – besser ab als die berühmten Namen aus der Champagne. Die Tester, darunter der Chef-Weinverkoster des Gault Millau Restaurantführers, konnten nicht glauben, dass sie eben englischen Sekt getrunken hatten. NYETIMBER wird aus den klassischen Champagnerrebsorten gekeltert. Verkostungsnotiz: Wunderbar! Von England werden wir bezüglich Wein in den kommenden Jahren noch sehr viel erleben dürfen. Auch die Weinschwenker haben einen britischen Champagner im Gepäck, doch dazu später mehr.
Die britischen Meister der Hauben- und Sterneküche Hywel Jones (Restaurant Hywel Jones by Lucknam Park) und James Baron (Hotel Tannenhof, St. Anton) verwöhnen nach der Weiterfahrt zur Gaisachkogl im Restaurant Almstube die Genussgemeinde mit gebratenem Steinbutt und geschmortem Lauch, Haselnuss und Zitronen-Thymian, begleitet von zwei Weißen vom Weingut Thement aus der Südsteiermark, einem Sauvignon Blanc 2015 und dem Sauvignon Blanc 2015 von Ewald Zweytick von der Weinstraße. Geht`s noch besser? Langsam wird`s eng. Macht gar nichts. Das Kalbsfilet rosa mit Morcheln und Sauerampfer gesellen sich bestens zum St. Laurent 2015 vom Johanneshof Reinisch und dem 2016er Blaufränkisch aus dem Südburgenland vom Johanneshof Reinisch. Voilà!

Höhenflug der Aromen: am Tag 3 mit der Schneeraupe zur Riesling-Eistheke und mit der Gondel zur Big-Bottle-Party am Rettenbachgletscher

Riesling gilt als eine der besten Rebsorten weltweit. Wenn man die Möglichkeit hat, mehrere dieser edlen und aromatisch einzigartigen Rebsorten zu verkosten, sollte man nicht nein sagen. Und schon gar nicht, wenn man, wie bei Wein am Berg, zur 3. Höhendegustation geladen wird.
Mit der Schneeraupe, die uns zur „Eistheke“ am Rettenbacher Gletscher bringt, startet der letzte Tag unserer Genussexpedition. Die Weinschwenker sagen nur: Smaragd! 2012! Hirtzberger! Das muss der Himmel sein! Dieser Riesling mit seiner Aromen- und Fruchtdichte und der lebendigen Säurestruktur begeistert! Vor allen Dingen der lange, fruchtige Abgang. Und das auf 2800 Metern Höhe. Ebenso mithalten können die Rieslinge von Pfaffl, Bründlmayer und Hirsch, um nur einige zu nennen. Wir wollen, dass es nie aufhört! Tat es auch nicht. Noch nicht.

Höhendegustation von Wein am Berg mit dem Winzer Franz Hirtzberger und Sommelière Yvonne Cornelius

Dem Riesling-Himmel ganz nah: Winzer Franz Hirtzberger und Weinschwenkerin Yvonne Cornelius am Rettenbachgletscher

Beim Mittagslunch haben die Weinschwenker eine Verabredung mit Angelika Falkner im Restaurant am Rettenbach Gletscher. Wir treffen uns, um den britischen Schaumwein BALFOUR 1503 zu verkosten, einen Sekt, der wie der bereits erwähnte NYETIMBER aus den drei klassischen Champagnerrebsorten gekeltert wird (Pinot Meunier, Pinot Noir & Chardonnay). Mit am Tisch sitzen Önologe Wolfgang Tratter, Winzer Paul Achs, Master of Wine Andreas Wickhoff, Chefsommelier des ‚Central‘ Martin Sperdin und Winzer Johannes Hirsch. Der Sekt leuchtet gelb in der Gletschersonne und begeistert die kleine Runde der Kenner. „Überraschende Cremigkeit, dicht am Gaumen“, sagt Andreas Wickhoff. Wolfgang Tratter und Andreas Wickhoff nicken: „Schön saftig!“ – „Schöne Säurestruktur“, findet Martin Sperdin. Und „vollmundig“, ergänzt Angelika Falkner, für die es die erste Begegnung mit einem British Sparkling Wine ist. In bester (britisch angehauchter) Sektlaune diskutieren wir kurz über den Klimawandel, der eine der Ursachen für den Erfolg der englischen Schaumweine ist. Das südenglische Klima passt sich immer mehr dem der Champagne an. Kein Wunder, dass vor Kurzem der Champagnerhersteller Taittinger jenseits des Ärmelkanals Ländereien gekauft hat, um bald original französischen Champagner anzubauen: made in England!“
Verkostungsnotiz: Ein bemerkenswerter Schaumwein mit einer feinen Perlage und einem perfekten Säuregerüst. Mit Aromen von reifen Äpfeln und einer ausgereiften Struktur mit einer lang anhaltenden Saftigkeit.

English Sparkling: Ist britischer Sekt der neue Champagner? Central-Chefin Angelika Falkner und Yvonne Cornelius probieren ein Gläschen in knapp 3000 Metern Höhe

Am Abend startet traditionell für alle, Köche, Winzer, Genussverliebte, Weinkenner- und Gourmets die Big Bottle Party auf dem Giggijoch. Wiederholungstäter wissen, was sie erwartet und können es auch kaum erwarten. Hoch oben auf dem Berg eröffnet sich eine kulinarische Kulisse vom Feinsten: Wir zählen jetzt einfach mal auf, wie man sich dieses Jahr die Big Bottle Party von Wein am Berg vorzustellen hat: Hywell Jones, Jason Atherton und Gottfried Prantl mit seinem Central-Team verzaubern uns mit: Thunfisch und Jakobsmuschel, Lachsforelle mit Spargel, Entenleber mit Erdbeeren, Ripperl Ravioli mit dem sagenhaften Vulcano Schinken, Rehpfeffer mit Morcheln und Pflaumen, einem gebackenen Kitz mit einem ötztaler Bauernsalat, dann aus England das geschmorte Wiltshire Lamm mit Kreuzkümmel Granola und eingelegten Rosinen. Wir werden die geräucherte Glamorenwurst mit Rote Beete niemals vergessen. Die Cornish Krabbe mit Meeresalgen, Sesam und Yuzu, das Tartar vom Brecon Wild mit Rotkohl Marmelade, dann Dill- Feenkuchen mit Kaviar und der Knollensellerie mit einer Trüffeltarte und last but not least Fish & Chips – das britische Nationalgericht gibt es tatsächlich auf Sterneniveau! Das Angebot aus Küche und Keller ist umwerfend, die Stimmung grandios. Es ist schon optisch etwas ganz Wunderbares, diese riesigen Flaschen zu sehen. Size matters: Weinkenner wissen, dass sich in großen Flaschen die Rebsorten ganz besonders gut entfalten. Tradition ist es auch jedes Jahr bei Wein am Berg, dass immer aller Winzer anwesend sind, die ihre Weine dem Publikum vorstellen. Selten hat man die Möglichkeit, so viele Weinbauern hautnah zu erleben, ihnen Fragen zu stellen oder einfach mit ihnen anzustossen. Wir sind begeistert von den Weingütern: Ott, Wieninger, Reinisch, Neumayer, Velich, Schiefer, Tement, Zweytick, Feiler-Artinger, Gesellmann, Igler, Kerschbaum, Umathum, Rittsteuer, natürlich Hirztberger und Bründelmayer sowie dem Weingut Hirsch und Pfaffe. Mit einem grandiosen Feuerwerk vor sternenklarem Himmel klingt die Veranstaltung aus. Mehr geht nicht!

Das Fazit der Weinschwenker:
Wer höchsten Weingenuss erleben will, für den ist das Genuss-Gipfeltreffen in Sölden ein jährliches Muss. Nicht nur die Aussicht ist grandios, das Erlebnis der Höhendegustation wirkt bewusstseins- und geschmackserweiternd. Mit allen Sinnen zu spüren, welchen Einfluss die Höhe über dem Meeresspiegel auf die Aromen, den Geruch und den Geschmack eines Weines haben, ist einzigartig. Auch das Konzept, unterschiedliche Weine der besten Winzer im Zusammenspiel mit von Spitzenköchen zubereiteten Gerichten zu verkosten, ist herausragend. Ach ja, und Skifahren mit prominenten Pisten-Guides kann man natürlich auch. Selten haben die Weinschwenker zwischen den Verkostungen so viele Winzer auf den Brettern gesehen. Wir freuen uns jetzt schon auf das 18. Wein am Berg 2019!

Gut zu wissen Wein am Berg

Das nächste Festival „Wein am Berg 2019“ findet vom 25. bis 28. April 2019 im Hotel ‚Das Central‘ in Sölden statt. Das Motto lautet diesmal „Österreich trifft das Piemont“.
Auweg 3, A-6450 Sölden, T. +43/52 54/22 60-0, W. www.central-soelden.com, www.weinamberg.at

ice Q / Sölden: Das Gourmet-Restaurant am Gaislachkogl hat eine erlesene Weinkarte. Spezialität: der Pino 3000, der im Keller unterhalb des Restaurants in Holzfässern reift. Am spektakulären Drehort von James Bond SPECTRE eröffnet im Sommer die erste James Bond Erlebniswelt „007 ELEMENTS“. Mehr Infos dazu hier

Das Restaurant ice Q, Drehort des James Bond Thrillers Spectre. Neu eröffnet hier im Sommer die 007 Erlebniswelt ELEMENTS

Als würde man schweben: die Aussicht vom Restaurant ice Q auf über 250 Dreitausender-Gipfel

Öffnungszeiten ice Q : ab 15.06.2018 bis 30.09.2018 (Sommer);
täglich von 9.00 Uhr bis 16.00 Uhr. Warme Küche: von 11.30 Uhr bis 15.00 Uhr.
T. +43/664/96 09 368, W. www.iceq.at, E. iceq@central-soelden.at

Pino 3000 Die Weingüter

Weingut Paul Achs GmbH, Neubaugasse 13, 7122 Gols, Österreich, T. +43/21 73/2367, E. office@paul-achs.at, W. www.paul-achs.at

Weingut Dr. Heger, Bachenstr.19/21, 70241 Ihringen am Kaiserstuhl, Deutschland, T. +49/76 68/99 55-0, E. info@heger-weine.de, W. www.heger-weine.de

Kellerei St. Pauls, Schloss-Warts-Weg 21, 39057 St.Pauls- Eppan (BZ), Südtirol – Italien, T. +39/04 71/66 21 83, E. info@stpauls.wine, W. www.stpauls.wine

Der erste Gipfelwein der Welt ist der Pino 3000. Er wird von den Winzern Paul Achs, Joachim Heger und Wolfgang Tratter gemacht

Die Gipfelweinmacher: (v.l.) Paul Achs, Joachim Heger und Wolfgang Tratter sind die Väter des Pino 3000

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